Wie viel kostet ein Fertighaus wirklich?
Pauschalpreise für ein Fertighaus sind unrealistisch
„Es gibt keinen festen Preis für ein Fertighaus, denn zu viele Faktoren fließen in den Hausbau ein. Bauherren können als groben Orientierungswert für ein schlüsselfertiges Haus in Standardausstattung mit rund 2.500 €/qm kalkulieren. Dies bedeutet, dass ein Fertighaus mit 120 qm Wohnfläche 300.000 € plus Baunebenkosten und dem Preis für das Grundstück kostet. Wird Eigenleistung in das Haus investiert, lassen sich im Schnitt rund 100.000 € einsparen.“, so der Fertighausexperte.
Regionale Preisunterschiede sorgen dafür, dass sich die Kosten je Bundesland für ein Fertighaus deutlich unterscheiden. Nicht vergessen werden dürfen die Sonderwünsche der Kunden, die für deutliche Mehrkosten sorgen. Zu den Sonderwünschen zählt aber nicht nur die Ausstattung des Hauses, sondern auch der Wunsch nach einer Unterkellerung. Die meisten Fertighäuser werden ohne Keller, nur mit einer Bodenplatte geplant. Wer zwingend einen Keller haben möchte, der sollte mit Mehrkosten von rund 50.000 € rechnen.
Fertighauspreise aktuell
Corona-Pandemie, Inflation und Energiekrise hatten in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Preise für Fertighäuser stark angestiegen sind. Das wiederum sorgte für einen spürbaren Nachfrageeinbruch bei Neubauten. Doch inzwischen sind Lieferengpässe, Arbeitsausfälle und die damit einhergehende außerordentliche Materialpreissteigerung rückläufig, sodass sich 2024 die durchschnittlichen Fertighauspreise voraussichtlich wieder leicht sinken werden.
Günstiges Fertighaus – was bedeutet das?
Wer sich für ein günstiges Fertighaus entscheidet, bekommt in der Regel ein Ausbauhaus oder gar ein Bausatzhaus.
- Ausbauhaus – Der Fertighausanbieter baut die Gebäudehülle auf. Der komplette Innenausbau erfolgt durch den Kunden.
- Bausatzhaus – Kunden bekommen durchnummerierte Einzelteile für ihr Traumhaus geliefert und müssen dies anhand eines Aufbauplans selbst aufbauen.
Vor- und Nachteile eines Fertighauses
Vorteile
- Günstiger aufgrund von vorgefertigten Bauteilen
- Festpreisgarantie
- Fertigung unabhängig vom Wetter
- Kurze Bauzeit
- Komplettpaket
- Nachhaltige Baustoffe sowie eine gute Ökobilanz
- Hohe Energieeffizienz
Nachteile
- Vielfach wenige individuelle Möglichkeiten
- Niedriger Wiederverkaufswert
- Geringer Schallschutz
- Geringere Wärmespeicherung
- Weniger Flexibilität
- Kürzere Lebensdauer
Zu den Nachteilen muss jedoch auch gesagt werden, dass dies nicht zwingend für ein Fertighaus gilt. Maßgeblich sind neben den Herstellern auch die verwendeten Materialien.
Die verschiedenen Preisklassen von Fertighäusern
Heutzutage gleicht kein Fertighaus dem anderen. Dabei geht es nicht nur um das äußere Erscheinungsbild, sondern auch um die Ausstattung. Hier kann von einfach über gehoben bis hin zu Luxus gewählt werden. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Preisunterschiede für das Fertighaus mit 150 qm Wohnfläche, wobei es auch hier nur um die reinen Baukosten geht.
Preisklasse | Kosten pro qm in € | Kosten Fertighaus in € |
---|---|---|
Untere Preisklasse | 2.100 - 2.300 | 315.000 - 345.000 |
Mittlere Preisklasse | 2.300 - 2.600 | 345.000 - 390.000 |
Obere Preisklasse | 2.600 - 2.900 | 390.000 - 435.000 |
Luxusausstattung | mehr als 2.900 | ab 435.000 |
Hinweis: | Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung wird im Jahr 2024 mit einem Rückgang der Preise für Bauleistungen um 3% gerechnet – infolge der voraussichtlich schwachen Baunachfrage. |
Was bedeutet Preis pro Quadratmeter?
Der Quadratmeter-Preis ist für Bauherren ein wichtiger Faktor. Jeder Meter mehr, der umbaut werden muss, führt zu höheren Kosten für das Fertighaus. Fertighäuser mit einer mittleren Ausstattung kosten im Schnitt zwischen 2.000 und 2.500 € pro Quadratmeter. Bauherren können somit mit Kosten von ca. 2.000 € pro Quadratmeter kalkulieren. Schlüsselfertige Fertighäuser mit einem niedrigeren Preis sind hier eher eine Seltenheit und sollten hinterfragt werden.
Für ein Ausbauhaus muss mit einem Quadratmeterpreis von 1.300 bis 1.800 € gerechnet werden. Das Bausatzhaus bekommen Baufamilien schon ab 900 € pro Quadratmeter. Eine solche Wahl sollte jedoch nur getroffen werden, wenn ausreichend handwerkliche Fähigkeiten vorhanden sind. Ebenfalls zu Bedenken ist auch der Zeitaufwand. Da Bauherren meistens nur nach Feierabend oder am Wochenende an ihrem Traumhaus arbeiten können, liegt die durchschnittliche Bauzeit bei 2 Jahren und mehr.
Hinweis: | Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung wird im Jahr 2024 mit einem Rückgang der Preise für Bauleistungen um 3% gerechnet – infolge der voraussichtlich schwachen Baunachfrage. |
Wodurch werden die Kosten für ein Fertighaus beeinflusst?
Die nachfolgenden Faktoren beeinflussen die Kosten für ein Fertighaus deutlich:
Haustyp
Fertighaus-Hersteller bieten unterschiedliche Haustypen an. Die Auswahl reicht in der Regel vom Bungalow über die Stadtvilla oder das Schwedenhaus bzw. Landhaus bis hin zum Doppelhaus oder Mehrgenerationenhaus. Jedes Modell hat dabei einen anderen Basispreis. Für ein voll ausgebautes Fertighaus liegt der Preis pro Quadratmeter in der Regel zwischen 1.800 und 2.500 €.
Hausgröße
Die Kosten für ein Fertighaus beziehen sich immer auf einen Quadratmeter Wohnfläche. Wird das Haus nur 220 Quadratmeter größer gebaut, bedeutet dies Mehrkosten von rund 50.000 €.
Dachform
Die Dachform bestimmt den Aufwand beim Bau des Hauses. Das Flachdach ist die günstigste Variante. Hier muss allerdings mit höheren Instandhaltungskosten gerechnet werden. Grundsätzlich gilt das Satteldach als die günstigste Lösung.
Ausstattung
Damit sind neben den Bodenbelägen auch die Lösungen für die Wände sowie die sanitären Ausstattungen gemeint. Selbst die Garage gehört zum Punkt der Ausstattung. Soll das Haus mit einem SmartHome System erbaut werden, dann erhöht dies den Endpreis deutlich.
Ausbaustufe
Bauherren haben die Wahl zwischen dem schlüsselfertigen und dem bezugsfertigen Haus. Wer Geld sparen möchte, wählt das Ausbauhaus oder das Bausatzhaus. Grundsätzlich gilt, je mehr Eigenleistung in das Traumhaus investiert wird, umso günstiger wird es.
Grundstückspreis
Gut gelegene Grundstücke sind schwer zu finden und die Preise in der Nähe von Ballungszentren sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Pro Quadratmeter muss in Deutschland mit einem Durchschnittspreis von 210 € gerechnet werden. Sehr günstige Grundstücke gibt es bereits ab 20 €. Für teure Grundstücke wie zum Beispiel in der Nähe von München liegt der Quadratmeterpreis bei 3.000 € und mehr. Dazu kommt die Grunderwerbsteuer , die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 65 % der Kaufsumme beträgt. Nicht zu vergessen sind die Gebühren für den Notar und die Eintragung im Grundbuchamt – rund 2 % des Kaufpreises. Wird ein Makler benötigt, muss die Maklercourtage ebenfalls beachtet werden. Diese beträgt je nach Bundesland zwischen 2 und 3,5 %.
Keller oder Bodenplatte
Für einen Nutzkeller müssen Bauherren mit 500 bis 1.000 € je Quadratmeter rechnen. Bei einem Wohnkeller liegen die Kosten pro Quadratmeter bei 750 bis 1.500 €. Fällt die Entscheidung auf eine Bodenplatte, dann ist mit Kosten von 150 bis 250 € pro qm zu rechnen.
Mit welchen Baunebenkosten muss gerechnet werden?
Auch beim Fertighaus fallen Baunebenkosten an. Im Schnitt müssen Bauherren hier 15 bis 20 % der Hauskosten zusätzlich kalkulieren. Mit der folgenden Tabelle möchten wir aufzeigen, wie hoch die Baunebenkosten bei einem Fertighaus für 350.000 € sowie einem Grundstückswert von 150.000 € ausfallen. Bei den Kosten handelt es sich um nur ungefähre Kosten, denn je nach Beschaffenheit des Grundstücks können die Kosten deutlich anders ausfallen.
Kostenfaktor | Summe |
---|---|
Makler, Notar, Grunderwerbsteuer | 17.500 € |
Erschließung | 20.000 € |
Bodengutachten | 750 € |
Vermessung und Lageplan | 3.000 € |
Baugenehmigung | 2.000 € |
Statiker | 1.500 € |
Bodenaushub und Baustrom | 7.500 € |
Versicherungen | 750 € |
Baubegleitung | 2.500 € |
Außenanlage | 10.000 € |
Gesamtsumme | 66.400 € |
Kosten für ein durchschnittliches Fertighaus
Zugegeben, das waren jetzt viele Zahlen auf einmal. Damit Bauinteressierte sich ein Bild machen können, haben wir die Kosten für ein durchschnittliches Fertighaus mit einer Größe von 140 qm Wohnfläche zu einem Quadratmeterpreis von 2.000 € übersichtlich aufgelistet. Dazu kommen die Kosten für ein Grundstück in einer Region mit durchschnittlichen Preisen sowie die Kaufnebenkosten von rund 5 %.
Kostenfaktor | Kosten |
---|---|
Hauspreis | 280.000 € |
Grundstück | 110.000 € |
Bodenplatte | 15.000 € |
Außenanlage | 20.000 € |
Baunebenkosten | 50.000 € |
Sonstige Kosten | 15.000 € |
Kosten Fertighaus gesamt | 490.000 € |
Hinweis: | Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung wird im Jahr 2024 mit einem Rückgang der Preise für Bauleistungen um 3% gerechnet – infolge der voraussichtlich schwachen Baunachfrage. |
Fazit zu den Kosten für ein Fertighaus
Viele Bauherren verstehen jetzt sicherlich besser, warum es keine Pauschalpreise für ein Fertighaus geben kann. Auf keinen Fall dürfen Baufamilien sich auf halbherzige Versprechungen von Fertighausanbietern verlassen, denn irgendwas bleibt dann immer auf der Strecke.
Wichtig beim Fertighaus ist, dass Bauherren sich verschiedene Angebote einholen und die Leistungen akribisch miteinander vergleichen. Aufgrund der vielen Fachausdrücke ist es sinnvoll, sich an einen Anwalt für Baurecht zu wenden, der sich den Bauvertrag genauer anschaut und Fehler bzw. Lücken in der Leistung erkennen kann. Die zusätzlichen Kosten sollten auf keinen Fall gescheut werden, denn ein falscher verstandener Bauvertrag kann schnell zu unangenehmen Überraschungen und im schlimmsten Fall zu jahrelangen Prozessen führen. Der Bau eines Fertighauses ist Vertrauenssache und sollte auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden, denn schließlich bedeutet das Fertighaus die Erfüllung eines Lebenstraums.